Was Familien auf Reisen erleben

Tops und Flops

Nele Bruns / gemeinsam glücklich / 22. Mai 2017

 

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Das Urlaubsglück gibt’s all-in­clu­sive

„Wir kommen gerade von unserer ersten Flugreise mit Milan zurück, es ging in die Vereinigten Arabischen Emirate. Unsere Eltern haben uns schon gefragt, ob das Reiseziel mit Kind denn wirklich sein muss. Genauso oft haben wir aber auch Gutes gehört. Der sechsstündige Flug war super. Milan war beeindruckt von dem großen Flugzeug, das er bisher nur aus dem Bilderbuch kannte. Wir hatten ein Doppelzimmer mit All-inclusive-Verpflegung. Das Crowne Plaza Hotel Yas Island ist zwar kein typisches Kinderhotel, aber trotzdem eine echte Empfehlung. Da wir nicht in der Hauptsaison geflogen sind, war es im Hotel und am Strand schön leer. Wir mussten nirgends warten. Toll war auch die Kinderfreundlichkeit der Einheimischen. Unser Urlaubstipp: Bei Flugreisen sollten unverheiratete Eltern die Geburtsurkunde des Kindes nicht vergessen!“

Nächtliche Ruhestörungen im Schnee

„Unser Sohn war sieben Monate alt, als wir mit einer befreundeten Familie und deren zweijährigem Kind für eine Woche ins Kleinwalsertal auf 1.200 Meter Höhe gefahren sind. Der Plan: Väter und Mütter wechseln sich mit Kinderbetreuung und Skifahren ab. Das Ergebnis: Unser Sohn hat jede Nacht durchgeschrien und wir wussten nicht, warum. Er kam nur zur Ruhe, wenn wir ihn im Kinderwagen durch die Gegend geschoben haben. Die sieben Nächte waren die Hölle und wir am Ende. Weil wir eine gemeinsame große Ferienwohnung hatten, bekamen unsere Freunde das Theater natürlich auch zu spüren. Als wir wieder zu Hause waren, führte der Kinderarzt, bei dem wir eh einen Termin hatten, Tims nächtliches Schreien auf die Höhe zurück. Die hatte er wohl nicht vertragen. Den nächsten Skiurlaub machten wir in Lenggries, das liegt nur auf knapp 700 Metern Höhe.

Unser Urlaubstipp: Wenn wir noch einmal mit einem Baby in die Bergefahren müssten, würden wir auf keinen Fall in ein hoch gelegenes Tal fahren – Schneequalität hin oder her.“

Til, der Urlaubsschreck

„Wir erinnern uns noch gut an die Urlaube mit Kleinkind – besonders an den, als Til gerade drei Jahre alt war. Unser Plan war es, die noch letzten warmen Tage des Jahres in Kroatien zu verbringen. Noch mal im Meer baden, nach Fischen schnorcheln oder mit einem Cappuccino in der Altstadt rumlungern. Dirk liebt es, mit dem Auto zu verreisen und sucht immer besonders schöne Strecken aus, damit die Anreise schon zu einem Erlebnis wird. Die Fahrt mit unserem VW-Bulli California hat super geklappt. Aber trotzdem ist eine Strecke von 1.400 Kilometern einfach anstrengend. Wir waren so froh, als wir endlich da waren und der wohlverdiente Urlaub beginnen konnte. Doch leider hatte unser Sohn andere Pläne. Er war quengelig. Sehr quengelig. Mit der Kneifzange nicht anzufassen, kaum wiederzuerkennen. Wir waren von einer wunderschönen Küstenlandschaft umgeben und es gab eine Menge zu entdecken. Und Til? Der wollte Trampolin springen – stundenlang. Nach drei Tagen waren wir so genervt, dass wir den Urlaub abbrechen wollten. Der nächste Tag sollte alles entscheiden. Til machte die Augen auf, war gut gelaunt und endlich bereit für den Urlaub. So ein Glück! Er braucht einfach seine Zeit, anzukommen – übrigens nicht nur in diesem Urlaub. Weil wir viel und gerne verreisen, wissen wir mittlerweile, dass der Urlaubsschreck nach drei Tagen vorbei ist. Danach haben wir alle eine richtig gute Zeit zusammen.

Unser Urlaubstipp: Locker bleiben und nicht zu viel erwarten. Sind die Kinder noch klein, ist der Urlaub eben anders.“

Eine Familie und das Meer

„Wir sind mit Paula schon viel rumgekommen. Das erste Mal sind wir zu dritt verreist, als sie gerade fünf Wochen alt war. Es ging mit der ganzen Familie nach Holland, die Reise war schon lange geplant. Es war einfach wunderschön. Paula hat das toll gemacht. Danach waren wir mit ihr noch an der Ostsee, an der Nordsee und in Österreich im Skiurlaub. Grundsätzlich finden wir einen Urlaub mit Kind am Meer am schönsten. Lange Spaziergänge am Strand, die tolle Luft, das Meeresrauschen und die kurze Anreise sind für uns die Pluspunkte. Wir können den Campingplatz ‚Am Dünengelände’ in Zempin an der Ostsee nur empfehlen. Es gibt Stellplätze direkt am Meer oder gemütliche Standhütten. Hierhin kann man sich jederzeit zurückziehen, es gibt ausreichend Platz und die Lage ist schön zentral. Was wir super finden, ist, dass man auf dem Campingplatz an nichts gebunden ist. Es gibt keine Essenszeiten wie im Hotel, das macht den Urlaub für uns eindeutig stressfreier. Unser Urlaubstipp: Nehmt die Großeltern des Kindes oder andere Familien mit Kindern mit in den Urlaub. So kann sich auch mal jemand anderes um das eigene Kind kümmern. In Ruhe essen ist schon toll!“

Über den Wolken ...

„Das erste Mal stand Pauls Name auf der Bordkarte, da war er gerade fünf Monate alt und mit Felix bin ich schon nach ein paar Wochen geflogen. Ich habe Verwandtschaft in Portugal und versuche, sie mindestens einmal im Jahr zu besuchen. Auf den Flügen habe ich schon alles erlebt: die beiden als entspannte, durchschlafende Säuglinge, als schreiende Babys, die ich den ganzen Flug lang nicht beruhigen konnte oder als aufgeregte Kleinkinder, die nicht still sitzen wollten. Dass sich die anderen Passagiere vielleicht gestört fühlen, hat mich anfangs sehr gestresst. Kluge Ratschläge wie ‚Füttern Sie ihn doch malʻ sind da noch die nettesten. Beim letzten Flug hat mir eine Stewardess gesagt: ‚Lassen Sie sich nicht den Urlaub vermiesen. Es sind kleine Kinder, die sind eben nicht vier Stunden am Stück ruhig. Stellen Sie sich Ihre netten Mitpassagiere einfach in Windeln vor.ʻ Ab dem Moment habe ich mit entschieden, mich nicht mehr vom Stress anderer anstecken zu lassen. Und es klappt!

Mein Urlaubstipp: Bei den meisten Airlines haben Kinder bis zum zweiten Lebensjahr je nach Tarif ein Gepäckstück bis 23 Kilogramm frei.“

Ein Drama auf Rømø

„An den ersten Urlaub mit Baby haben wir keine guten Erinnerungen – was aber nicht an Lotta selbst lag, die damals zehn Monate alt war. Nein, wir Eltern haben schon bei der Planung Fehler gemacht. Beziehungsweise gab es eigentlich gar keine große Vorbereitung. Adressen raussuchen, Listen schreiben – das fanden wir immer spießig. Und so erlebten wir ein Urlaubsdrama in drei Akten:

  1. Das Ferienhaus: ein wunderschönes Reetdachhaus mit viel Platz, moderner Einrichtung, großer Küche – trotzdem keine Empfehlung für Familien mit Baby. Die Fenster ließen sich nicht verdunkeln und Lotta machte die Nacht zum Tag. Wir wurden erfinderisch und dunkelten mit Alufolie die Fenster ab. Was müde Eltern halt so machen.
  2. Die Lage: Auf den ersten Blick ein Volltreffer. Schön idyllisch im Naturschutzgebiet auf der dänischen Wattenmeerinsel Rømø – aber leider sehr einsam. Für jeden Einkauf musste das Auto her.
  3. Der Strand: 40 Prozent der Insel sind Sandflächen – super, dachten wir, dann kann das Kind schön buddeln. Pustekuchen, der Sand war steinhart und eher für Kitesurfer als Babyhände geeignet. Auch die Autos am Strand nervten. Hätte man vorher wissen können.

Unser Urlaubstipp: Inzwischen lachen wir darüber und reisen anders – mit einem zweiten Kind im Gepäck, einer besseren Vorbereitung und viel mehr Gelassenheit.“

Sommer, Sonne, Urlaubsglück

Welches Reiseziel ist für Familien ideal? Fühlen wir uns dort alle wohl? Woran müssen wir denken, was alles einpacken? Damit die Reiseplanung nicht in Stress ausartet, finden Sie im großen Urlaubs-Special die wichtigsten Infos rund ums Reisen mit Kindern zusammengetragen. Allen voran neun Erfahrungsberichte von anderen Eltern – von Camping bis Kreuzfahrt.

Foto: shalamov/iStock/Getty Images Plus/gettyimages, Adam Drobiec/EyeEm/gettyimages, privat
Illustration: Miriam Frömming

 

Nele Bruns ist Chefredakteurin des babywelt-Elternmagazins. Ihre Töchter Leni (6) und Emma (2) liefern ihr täglich die besten Inspirationen für neue Geschichten aus dem Familienleben. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei ein ständiger Begleiter.