Thema: Geschenke

Papa hat das Wort

Ingo Hildebrand / rundum wohlfühlen / 07. November 2017

 

Vorheriger ArtikelBis zum Mond und durch den wilden Westen
Nächster ArtikelSuppe gut, alles gut

Eichhörnchen beim Schrottwichteln

Vergnügt blicken sie mich aus ihrem guten Versteck an, die drei lila Schmunzelhasen. Original verpackt habe die süßen Alpenmilchkerlchen seit der Fastenzeit vor Ostern bis jetzt zum Advent in der hintersten Schrankecke auf ihre Entdeckung gewartet. Beim Anlegen meiner Geschenkevorräte ergeht es mir regelmäßig wie den Eichhörnchen: Die finden auch nur ungefähr ein Drittel ihrer verbuddelten Nüsse wieder.

Gutes von gestern, neu verpackt

Die Schokohasen müssen natürlich jetzt den Weihnachtsmännern Platz machen. Nach weiteren Präsenten fahnde ich auf dem Dachboden in der hauseigenen Recyclingbörse. Hier lagern Mitbringsel, Dubletten, Erbstücke, Fehlkäufe und Schnäppchen in Regalen, Kisten und Stapeln. Jetzt durchforste ich wieder alles nach brauchbarem Material für die aktuelle Saison.

Meiner Frau missfällt meine Art der Geschenkebeschaffung, für sie grenzt es an Betrug. Wo bleibe denn da die ganze Liebe, mit der eine Weihnachtsüberraschung besorgt werden sollte? Das ewige Hamstern unnützer, aber (aus meiner Sicht) noch brauchbarer Dinge ist ihr ein ständiges Ärgernis, nicht nur zum Fest. Doch das Geschäft für mich als Eichhörnchen-Weihnachtsmann wird ohnehin Jahr für Jahr schwieriger. Denn anfangs lassen sich die lieben Kleinen allein schon von knisternder Verpackung und buntem Papier begeistern, sprich: ablenken. Dass der Inhalt, zum Beispiel ein leicht abgegriffenes Bauklötzchen-Memory, vom großen Bruder stammt, spielt keine Rolle.

Je älter die Kinder, desto detaillierter werden leider die Wunschzettel. Das streut Sand ins Getriebe meiner Wiederverwertungsmaschinerie. Meine vorrätige Taschenlampe mit Blinkmechanismus, die ich aus einem Karton mit der Aufschrift „Flohmarkt“ fische, passt eben nicht zu der Bestellung eines Leuchtschwerts. Der Dachbodenfundus schmilzt also zu diesem Fest nicht wirklich ab. Zwischen all den staubigen Krimskramskisten bleibt mir nur, andere Wege aus der Recyclingfalle zu suchen: 1. Unbedingt die Geschenkelisten der gesamten Verwandtschaft mitein-ander abgleichen, um nicht noch mehr doppeltes Zeug anzuhäufen. 2. Kollegen, Vereinskameraden und Stammtischfreunde zum Schrottwichteln animieren: Das räumt das Lager schlagartig – alles muss raus!

Schokohasen-Schlachtfest

Sehen wir es also positiv: Die Kinder bekommen neue Wunschgeschenke aus dem Laden statt vom Dachboden – und ich lasse mir erst einmal die drei Schmunzelhasen schmecken. Die müssen schließlich dringend weg!

Foto: loops7/E+/gettyimages; marima-design/iStock/Getty Images Plus; GlobalP/iStock/Getty Images Plus

Ingo Hildebrand profitiert als babywelt-Redakteur von seinen Elternzeit-Erfahrungen: Ein Jahr lang blieb er für seine Söhne Henning und Peter zu Hause. Zurück im Job interessiert ihn naturgemäß die Rolle der Väter in dem liebenswerten Chaos-Kosmos, der sich Familie nennt.