Erst Kita, dann krank

Wenn Kinder sich anstecken

Michaela Senger / gesünder leben / 08. November 2017

„Wir haben Magen-Darm-Erkrankungen in der Kita“ – wer kennt sie nicht, die Schilder des Grauens an der Infotafel? Ein Überblick über die häufigsten Infekte, die in der kalten Jahreszeit wieder Hochsaison haben.

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Bindehautentzündung

Das Auge ist rot, geschwollen, juckt und tränt ständig: Bindehautentzündungen sind nicht nur unangenehm, sondern auch ansteckend, wenn sie von Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Ein Hinweis darauf ist eitriges, gelbliches Sekret, das sich im Auge sammelt. Zur Heilung verschreiben Ärzte in der Regel ein Antibiotikum. Auch homöopathische Augentropfen können helfen.

Scharlach

Scharlach gehört zu den wenigen klassischen Kinderkrankheiten, gegen die es keinen Impfschutz gibt und an der man immer wieder erkranken kann. Typisch ist weiß-gelber Belag im Rachen auf den Mandeln sowie eine stark gerötete und belegte Zunge (Himbeerzunge). Nach wenigen Tagen ist am Körper Hautausschlag zu sehen. Penicillin oder Antibiotika helfen, die Krankheit zu bekämpfen.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Die ansteckende Viruserkrankung zeigt sich durch rote Flecken an Händen, Füßen und Mund sowie schmerzhaften Bläschen auf der Mundschleimhaut. Wer erkrankt ist oder mit einer infizierten Person Kontakt hat, sollte auf seine Handhygiene achten. Gegen die juckenden Bläschen helfen Salben mit Gerbstoffen.

Erkältungen

Grippale Infekte und Erkältungen sind die häufigsten Erkrankungen bei Kindern. Meist sind es harmlose Entzündungen der oberen Atemwege mit leichtem Fieber. Ausgelöst werden sie durch unterschiedliche Viren oder Bakterien, die durch Husten, Niesen oder beim Spielen übertragen werden. Da es mehrere Hundert verschiedene Erkältungsviren gibt, erkranken Kinder immer wieder. Bei hohem Fieber helfen entzündungshemmende Schmerzmittel. 

Magen-Darm-Erkrankungen

Bauchweh, Erbrechen und Durchfall – bei vielen Eltern schrillen bei diesen Symptomen die Alarmglocken: Ein Magen-Darm-Infekt ist im Anmarsch. Oft breitet er sich in der gesamten Familie aus. Gute Hygiene kann vor Ansteckung schützen. 

Ringelröteln

Oft verlaufen Ringelröteln völlig unbemerkt. Ein sichtbares Anzeichen ist Hautausschlag, der auf den Wangen beginnt und sich auf die Streckseiten der Arme und Beine ausbreitet. Fühlt sich das Kind matt und krank, hilft Bettruhe. Wer die Krankheit überstanden hat, ist lebenslang geschützt. Gefährlich sind Ringelröteln für Schwangere, die keine Antikörper haben: Infizieren sie sich, können sie ihr Ungeborenes anstecken, was zu einer Fehlgeburt führen kann. 

Kopfläuse

Sie lösen zwar keine Krankheit oder einen Infekt aus, trotzdem sind Kopfläuse ansteckend und von Eltern gefürchtet. Kratzt sich ein Kind ständig in den Haaren ist dies meist ein deutliches Zeichen, dass die kleinen Biester auf dem Kopf ihr Unwesen treiben. Gut sichtbar sind die Eier der Läuse (Nissen). Sie kleben wie kleine Tropfen an den Haaren. Damit sie sich nicht auf anderen Köpfen ausbreiten, ist es wichtig, dass sie schnell behandelt werden. Dafür eignen sich ein spezieller Läusekamm und medizinische Produkte aus der Apotheke.

Krank in der Kita:

Eine Erzieherin, ein Kinderarzt und eine berufstätige Mutter erzählen von ihren Erfahrungen.

Das erlebt die Erzieherin

„Eltern, die ihre Kinder krank in die Kita geben? Das erleben wir durchaus. Wenn uns morgens gesagt wird, das Kind sei nicht gut zurecht und es um 11 Uhr zu fiebern beginnt, wissen wir: Die Wirkung des Fieberzäpfchens lässt nach. Dann müssen es die Eltern abholen – allein schon, um die gesunden Kinder zu schützen. Erhöhte Temperatur, starker Schnupfen oder Husten scheinen heute für viele Eltern keine Gründe mehr zu sein, ihr Kind zu Hause zu betreuen. Das liegt natürlich auch daran, dass häufig beide Elternteile berufstätig sind und vielen Unterstützung u. a. durch Großeltern fehlt. Die Kinder können deshalb Infekte oft gar nicht mehr richtig auskurieren, obwohl ihnen ein paar Tage Ruhe zu Hause guttun würden. Ich habe Eltern schon so verzweifelt erlebt, dass sie uns fragten, ob wir nicht in einer Gruppe nur kranke Kinder betreuen könnten.“

Claudia Horstmann (47), Erzieherin und Mutter von drei Kindern

So sehen es die Eltern

„Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn unsere Kinder krank sind und ich sie für ein, zwei Tage zu Hause betreuen muss. Ich habe aber auch einen familienfreundlichen Arbeitgeber und ein verständnisvolles kollegiales Umfeld. Schwieriger ist es, wenn sie für eine Woche oder länger zu Hause bleiben müssen. Dann helfen – wenn möglich – die Großeltern aus oder mein Mann bleibt zu Hause. Ein familiäres Netzwerk ist in solchen Situationen Gold wert. Ich weiß von Freunden, deren Eltern nicht in der Nähe wohnen, dass sie in Ausnahmefällen Dienste des lokalen Mütternotdienstes in Anspruch nehmen. Die stundenweise Betreuung müssen sie zwar aus eigener Tasche zahlen, dafür können sie mit ruhigem Gewissen für einige Stunden arbeiten gehen und wissen ihre Kinder zu Hause in guten Händen. Krank würde ich unsere Kinder nie in die Kita geben.“

Julia Ebeling (32), Mama von zwei kleinen Kindern

Das empfiehlt der Kinderarzt

„Bis zu 13 Atemwegserkrankungen und vier Magen-Darm-Infekte im Jahr sind bei Kleinkindern, die eine Kita besuchen, normal. Oft gehen diese mit Fieber einher, da das kindliche Immunsystem noch lernen muss, Viren und Bakterien abzuwehren. Ist das Kind einen ganzen Tag fieberfrei, kann es in der Regel wieder in die Kita. Oft steckt es sich dort wenig später wieder mit dem nächsten Infekt an. Bei Babys, die schon im ersten Lebensjahr in die Kita kommen, gilt besondere Vorsicht. Denn ab dem Alter von etwa sechs Monaten besteht kein mütterlicher Nestschutz gegen Masern mehr. Alle größeren Kinder (und die Erzieherinnen!) sollten daher gegen Masern geimpft sein. Die erste Masernimpfung beim Baby ist im 12. Lebensmonat vorgesehen, kann aber um zwei Monate vorgezogen werden. Denn: Masern bei Babys sind hochansteckend und können tödlich enden.“

Michael Achenbach (49), Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Foto: Zing Images/DigitalVision/gettyimages
Illustrationen: Miriam Frömming

Arbeitnehmerrechte im Krankheitsfall

Ist das Kind krank, dürfen sich berufstätige Eltern unter bestimmten Bedingungen von der Arbeit freistellen lassen. Viele haben in dieser Zeit Anspruch auf Kinderkrankengeld. Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie in unserem Artikel „Kind krank – Rechte berufstätiger Eltern“.

Michaela Senger ist babywelt-Redakteurin und Mutter von zwei Kindern (7 und 10 Jahre). Ihre besondere Vorliebe gilt den kritischen Themen rund um die Baby-Gesundheit. Für ihre Beiträge trifft und interviewt sie Eltern und Experten im ganzen Land.