Interview mit Autorin Tayrin Brumfitt

Wir sind schön, so wie wir sind!

Clarissa Lorz / rundum wohlfühlen / 09. November 2017

Tayrin Brumfitt ist Australierin und Gründerin des „Body Image Movements“. Mit ihrem Film „Embrace“ hat sie eine weltweite Diskussion über das Körpergefühl von Frauen und Müttern ausgelöst.

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Mit Ihrem Film haben Sie große Erfolge gefeiert. Worum geht es darin genau? 

Für den Film bin ich um die Welt gereist und der Frage auf den Grund gegangen, warum so viele Frauen ihren Körper nicht mögen und was man dagegen tun kann. Ich habe Prominente interviewt, Redakteurinnen von Frauenmagazinen, eine Frau die den Brustkrebs überlebt hat und auch ganz normale Menschen auf der Straße. In Deutschland hat die Schauspielerin Nora Tschirner den Film mitproduziert.

Wann ist die Idee zu dem Film entstanden?

Alles begann 2012, als ich ein Vorher/Nachher-Foto meines fast nackten Körpers auf Facebook gepostet habe. Auf dem Vorher-Bild hatte ich den perfekten Bikini-Body, den ich mir nach der Geburt meiner drei Kinder hart antrainiert hatte. Doch dieser Körper machte mich nicht glücklich. Das Nachher-Bild zeigt meinen heutigen normalen, unperfekten Körper mit allen seinen Rundungen. Der Post wurde über 100 Millionen Mal angesehen und ich habe über 7.000 E-Mails bekommen. Ich hatte eine Welle ausgelöst und merkte, dass so viele Frauen Probleme mit ihrem Körper haben. Ich hielt Vorträge zu dem Thema und schrieb ein Buch. Doch ich wollte noch mehr Menschen erreichen. 

Debatte um das Body-Image-Movement

„Embrace“ ein leidenschaftliches Plädoyer, seinen Körper zu lieben – egal, wie er aussieht. Ein Plädoyer gegen Schlankheitswahn und Schönheitsideale mit einer unumstritten wichtigen Botschaft. Aber nicht nur das. In der Debatte gibt es auch andere Stimmen. Zum Beispiel die der feministischen Bloggerinnen Laura Chlebos und Silvana Schmidt. Sie schreiben: „Wird wirklich alles gut, wenn wir unseren Körper nur genug lieben? Muss die Reise zu persönlicher Zufriedenheit unbedingt über die Station der Selbstliebe führen? Oder ist es vielleicht auch legitim und trotzdem feministisch, den eigenen Körper nicht bedingungslos zu lieben, sondern mit den Fehlern und Unvollkommenheiten Frieden zu schließen, ohne sie dabei zu feiern? Jeder Mensch sollte die Möglichkeit bekommen, seinen Körper zu lieben. Aber genauso sollte jeder auch das Recht haben, die eigenen Unzufriedenheiten klar zu benennen und sich anderen wesentlichen Dingen widmen zu können, die ihn als Person ausmachen.“ feminismus-im-pott.de

Warum fühlen sich so viele Frauen unwohl in ihrem Körper?

Überall, in den Medien, in Frauenzeitschriften und in der Werbung wird uns suggeriert, dass wir anders aussehen müssen, als wir es tun. Wir sollen dünner sein, keine Cellulite haben, ständig Diät halten und gegen die Zeichen des Alterns ankämpfen. Das setzt Frauen unter extremen Druck.

Wie haben Sie es geschafft, sich wieder wohl in Ihrem Körper zu fühlen?

Ich habe irgendwann verstanden, dass der Sinn meines Lebens nicht darin bestehen kann, Krieg gegen meinen Körper zu führen. Stattdessen bin ich stolz auf meinen Körper, der so großartige Dinge vollbringen kann: einen Marathon laufen und drei Kinder auf die Welt bringen zum Beispiel. Ich habe angefangen, wieder intuitiv darauf zu hören, was er wirklich braucht. Ich esse, um Energie zu bekommen und bewege mich, um mich wohlzufühlen. Nicht, um mich zu bestrafen.

Filmtipp

„Embrace – Du bist schön“ ist auf DVD erhältlich. MAJESTIC COLLECTION, ca. 9,99 Euro

Was raten Sie Frauen nach einer Schwangerschaft? 

Versucht nicht, euren alten Körper zurückzubekommen! Ihr habt ein Baby geboren, euer Körper hat sich verändert und das ist vollkommen in Ordnung so. Bewegung sollte Freude machen und keine harte Arbeit oder Bestrafung sein. Esst, um euch gut und gesund zu fühlen und nicht, um Gewicht zu verlieren! Euer Körper ist kein Vorzeigeobjekt, sondern ein Mittel, um eure Träume zu verwirklichen.

Gab es Menschen oder Ereignisse, die Sie bei der Recherche zum Film besonders bewegt haben?

So viele Frauen, die ich auf der Straße interviewt habe – egal ob in Australien, Deutschland, Kanada oder Frankreich – haben sehr negative Sachen über ihren Körper gesagt. Das hat mich traurig gemacht. Sehr bewegend war die Aussage einer Frau, nachdem sie den Film gesehen hat. Sie sagte, dass sie sich nun zum ersten Mal in ihrem Leben „normal“ fühlt. Sie ist 79 Jahre alt.

 

Foto: Taryn Brumfitt /Majestic / Body Image Movement

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Clarissa Lorz ist Redakteurin und Mutter einer zweijährigen Tochter. Sie weiß, wie ein kleiner Wirbelwind den Alltag und das Leben verändert. Und sie kennt die unzähligen Fragen, die man als Mutter besonders in den ersten Lebensjahren hat ...