Thema: Baby-Reispass

Papa hat das Wort

Ingo Hildebrand / alles wissen / 18. Mai 2017

 

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Abenteuer im Paragrafendschungel

„Ich brauche ein Foto von dem Kind“, sagt mir die Dame im Rathaus unmissverständlich. Das bringt mich direkt auf die Palme. Was soll bitteschön ein Bild von einem drei Monate alten Säugling in einem Ausweisdokument, das sechs Jahre gültig ist? Ich versuche es mit gesundem Menschenverstand: Welcher Zöllner in aller Welt könnte ein sechsjähriges Kleinkind an der Grenze anhand eines Babyfotos im Kinderausweis identifizieren? „Ich brauche ein Bild“, wiederholt die Dame emotionslos. Aber bei seinem älteren Bruder waren Ausweise doch zunächst auch ohne Foto möglich, erinnere ich mich. Weil Menschen in den ersten Lebensjahren ihr Aussehen rasant ändern.

Tirol vs. Taliban

Keine Chance. „Seit dem 1.11.2007 ist jeder Kinderreisepass mit einem Lichtbild entsprechend der Foto-Mustertafel für Reisepässe unabhängig vom Alter des Kindes auszustellen“ – verschärfte Bestimmungen wegen der Terrorabwehr, werde ich belehrt. Eigentlich wollten wir nur nach Tirol in die Sommerfrische, nicht ins Taliban-Camp nach Afghanistan, denke ich. Sage aber nichts mehr und gebe mich geschlagen.
Zu Hause fahnde ich also auf der Festplatte nach einem Bild, das den Anforderungen der „Foto-Mustertafel für Reisepässe“ möglichst nahe kommt. Und im zweiten Anlauf klappt es dann auch mit dem amtlichen Ausreisedokument. „Da hast du aber clever Geld gespart“, staunt meine Schwägerin. Sie war mit ihren Zwillingszwergen samt „Foto-Mustertafel für Reisepässe“ nämlich extra beim teuren Profi im Fotostudio. Beim ersten Mal hatten die Mädchen Hunger und machten überhaupt nicht mustertafelig mit. Ergab also in Summe zwei Termine mal zwei Babys. Übrigens ist bis heute nicht geklärt, ob die Fotos der eineiigen Schwestern überhaupt im jeweils richtigen Ausweis landeten. Aber das sollen geschulte Zöllner-Augen herausfinden.

Händchen hoch zur Kontrolle!

Inzwischen bin ich mit meinem herangewachsenen Kinderausweis-Inhaber außer in Österreich auch bereits in Dänemark und den Niederlanden gewesen und sogar problemlos ins Nicht-EU-Land Schweiz eingereist. Muss ich erwähnen, dass sich bisher niemand für den mühsam ergatterten Pass interessiert hat? Offensichtlich sehen die Behördenvetreter an den Grenzen schon von Weitem – und nicht erst beim Blick in den Ausweis –, dass von Henning keine wirkliche Terrorgefahr ausgeht. Kontrolliert wurde er kürzlich dann aber doch, und das mitten im Inland bei einem Ausflug an den Niederrhein. Im Borussia-Park leisteten die Ordner ganze Arbeit: Beinchen und Ärmchen auseinander, von oben bis unten abtasten. Zum Schluss noch ein Blick unter die Fan-Mütze, erst dann durfte er passieren. Das brachte mich schon wieder auf die Palme!

Fotos: adekvat/iStock/Getty Images Plus/gettyimages, hofred/iStock/Getty Images Plus/gettyimages, olegtoka/iStock/Getty Images Plus/gettyimages

Kuckuck! Wer bin ich? Wie die Identität von Babys amtlich nachgewiesen wird

Ingo Hildebrand profitiert als babywelt-Redakteur von seinen Elternzeit-Erfahrungen: Ein Jahr lang blieb er für seine Söhne Henning und Peter zu Hause. Zurück im Job interessiert ihn naturgemäß die Rolle der Väter in dem liebenswerten Chaos-Kosmos, der sich Familie nennt.