Infektionen durch Zeckenstiche

Das große Krabbeln

Michaela Senger / gesünder leben / 19. Mai 2017

Sommerzeit ist Ausflugszeit. Durch Wald und Wiesen streifen, im Gras liegen, die Wolken am Himmel beobachten. Aber Moment mal, was krabbelt denn da? Hilfe, eine Zecke! Wie gefährlich sind die kleinen Blutsauger eigentlich?

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Zecken sind listige Krabbeltiere. Monatelang verstecken sie sich auf Gräsern in Waden- oder Kniehöhe. Dort warten sie so lange, bis sie jemand im Vorbeigehen streift. Oft unbemerkt krabbeln sie dann an ihm empor und suchen sich eine Hautstelle, die sie einstechen, um sich mit Blut vollzusaugen. Wer denkt, in Städten wäre man vor den kleinen Achtbeinern sicher, irrt. Zecken leben nämlich nicht nur in Waldgebieten und auf Wiesen, sondern haben inzwischen auch Gärten und städtische Parks als Lebensraum für sich entdeckt. Von Bäumen fallen sie übrigens nicht, auch das ist ein Irrglaube. Laut Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) ist beispielsweise in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, im südlichen Hessen und im Saarland das Risiko besonders groß, sich nach einem Zeckenstich mit dem FSME-Erreger zu infizieren. Auch in einigen Urlaubsländern gibt es FSME-Gebiete, etwa in Polen, Österreich, Tschechien und in der Schweiz.

Ein Zeckenstich tut nicht weh. Trotzdem fürchten viele die kleinen Blutsauger. Denn sie können Entzündungen des Gehirns und der Gehirnhäute (FSME, Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose hervorrufen, eine bakterielle Infektion von Haut, Gelenken und Nervensystem. Entsprechend verunsichert reagieren manche Eltern, wenn beim Kindergarten die ersten Waldtage anstehen. Die Sorge ist jedoch unbegründet. Zum einen, weil nicht jede Zecke Krankheitserreger in sich trägt, und zum anderen, weil zwischen 70 und 95 Prozent der Infektionen ohne Symptome verlaufen.

Zecken durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien: Aus der sechsbeinigen Larve wird die achtbeinige Nymphe und aus ihr die erwachsene Zecke. Alle saugen Blut.

Kinder erkranken nicht schwer

Anzeichen einer FSME-Infektion, die übrigens nicht ansteckend ist, sind meist grippeähnliche Beschwerden, die 7 bis 14 Tage nach dem Stich auftreten: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen und Schwindel. In seltenen Fällen kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), des Gehirns (Enzephalitis) oder des Rückenmarks (Myelitis) kommen.

Im Gegensatz zu Jugendlichen und Erwachsenen verläuft FSME bei Kindern oft leichter. Eltern, die einer Ansteckung vorbeugen möchten, können sich und ihren Nachwuchs bereits im Alter ab einem Jahr impfen lassen. Das RKI empfiehlt dies zum Beispiel allen, die in einem Risikogebiet leben oder sich vorübergehend, etwa für einen Urlaub, dort aufhalten.

Einen Impfschutz gibt es für Borreliose nicht. Je nach Region sind bis zu 25 Prozent aller Zecken in Deutschland mit diesen Bakterien befallen, die unbehandelt zu chronischen Schäden von Nerven, Gelenken und des Herzens führen können. Anders als FSME lässt sich Borreliose aber mit Antibiotika behandeln. Ein deutliches Anzeichen für eine Infektion ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Kreis auf der Haut um die Einstichstelle der Zecke. Ist diese erkennbar, führt kein Weg an einem Arztbesuch vorbei.

Wie man sich schützen kann

  • Gegen FSME-Erreger hilft eine Impfung. Ansonsten bieten spezielle Insektenschutzmittel einen zeitlich begrenzten Schutz.
  • Um Zecken gut zu erkennen, hilft es, lange, helle Kleidung zu tragen. Wer Strümpfe über die Hose zieht, verhindert, dass die Tiere an der Haut emporkrabbeln und sich einen warmen Platz (z. B. unter den Achseln) zum Einstechen suchen.
  • Nach dem Spielen in der Natur sollten Eltern ihre Kinder immer gründlich auf Zecken untersuchen und diese sofort entfernen, um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. Eine spezielle Zange ist dazu nicht nötig. Mit einer Pinzette, hautnah aufgesetzt, lässt sich der Blutsauger langsam und gerade in einem Stück herausziehen.

Wichtig: Nicht den Blutsack zerquetschen, da ansonsten infektiöser Speichel oder Darminhalt des Tieres in die Haut des Kindes eindringen kann. Danach sollte man die Einstichstelle mit einer jodhaltigen Salbe oder mit Alkohol desinfizieren. Wer sich genau aufschreibt, wo die Zecke gesessen hat und wann sie entfernt wurde, kann später Infektionssymptome leichter erkennen und einem Arzt gut Auskunft geben.

Übrigens: Bleiben Reste der Zecke in der Haut zurück, ist dies kein Grund zur Panik. Es handelt sich dabei nicht um den Kopf des Tieres, sondern um einen Teil des Stechapparates. Dieser wird meist nach einiger Zeit selbst vom Körper abgestoßen.

Illustration: Miriam Frömming

 

Wie groß ist die Zeckengefahr für Babys und Kleinkinder? Ein Interview mit Michael Achenbach, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Michaela Senger ist babywelt-Redakteurin und Mutter von zwei Kindern (7 und 10 Jahre). Ihre besondere Vorliebe gilt den kritischen Themen rund um die Baby-Gesundheit. Für ihre Beiträge trifft und interviewt sie Eltern und Experten im ganzen Land.