Familienurlaub im Wandel

Reisezeiten

Ingo Hildebrand / gemeinsam glücklich / 22. Mai 2017

Wohin geht die Reise? Heute ist alles möglich – von Camping bis Kreuzfahrt. Noch vor zwei Generationen wären nicht nur die Antworten anders ausgefallen. Schon die Frage hätte eher gelautet: Wie soll das denn gehen? Und warum überhaupt?

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Der klassische Familienurlaub als Massenphänomen kam hierzulande eigentlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg und ganz zögerlich in Schwung. Mit dem Käfer ging es über die Alpen zum Gardasee oder mit dem Wohnwagen an die Küste. Mit Babys und Kleinkindern blieben die Familien bis in die 1960er-Jahre meist erst einmal zu Hause – der Einfachheit halber. Das änderte sich, als große Reiseanbieter die ganz jungen Familien als Kunden für sich entdeckten – inklusive Kinderbetreuung, deutschsprachiger Begleitung im Ausland, großzügiger Rabatte etc. Spanien, Italien, Bulgarien hießen die Ziele der Pauschaltouristen. Andere machten sich selbstbestimmt im Campingbulli auf nach Skandinavien oder Jugoslawien, den eigenen Nachwuchs nahmen sie ganz pragmatisch mit.

Ohne Klimaanlage und Navi

Aus heutiger Sicht waren all diese Touren wahre Abenteuerreisen. Wir blicken zurück: Im Auto ist es heiß. Klimaanlagen an Bord? Fehlanzeige. Die Autobahnabfahrt verpasst oder in der romantischen Altstadt total verfahren? Mist! Navigationsgeräte? Waren längst noch nicht erfunden. Die Verständigung mit den Einheimischen klappt – wenn überhaupt – nur mit Händen und Füßen. Schnelle Übersetzungshilfe via Internet? Welches Internet? Dann rufen wir halt zu Hause unseren Telefonjoker an. Aber ohne Handy? Wo ist der nächste Münzfernsprecher? Wer hat das passende Kleingeld in der richtigen Landeswährung? Bargeld aus dem Automaten? Keine Chance. Die Banken machen erst am Montag wieder auf. Mit Glück löst der Rezeptionist im Hotel einen Reisescheck ein.

Ein persönlicher Blick zurück von babywelt-Redakteur Ingo Hildebrand: Im Käfer als vierköpfige Familie durch die Alpen? Kein Problem! Da es sperrige Kindersitze noch nicht gab, hatten wir Kleinen auf dem Rücksitz noch genügend Platz für Gepäck. Jeder Zwischenraum wurde ausgefüllt, auch der Fußraum hinter den Vordersitzen. So entstand für uns Kinder eine herrliche Liegefläche. Die Sitze waren mit weichen Frotteetüchern ausgelegt; andernfalls wären die Kunststoffbezüge der Sitzbank von der Sonne unerträglich aufgeheizt worden. Für behelfsmäßige Kühlung des Innenraums sorgten die kleinen Aufstellfenster in den Türen. Allzu zugig wurde es dadurch trotzdem nicht, denn schneller als mit 100 Stundenkilometern ging es nicht voran. Auch praktisch: Der kleine Tank und der große Durst des Autos sorgten immer wieder für regelmäßige Pausen. Dass wir bei der Anreise für den 14-tägigen Aufenthalt im Ferienhaus sogar ohne Dachgepäckträger ausgekommen sind, ist mir heute noch unerklärlich.

Was heißt Masern auf Spanisch?

Noch überschaubarer war das Gepäck bei der ersten Flug­reise: Mit dem Jumbojet, der kurz zuvor erst erfunden wurde, ging es drei Wochen nach Mallorca! Zwei große Koffer für die Familie – und als Bordgepäck Kinderköfferchen in Rot  (für mich) und Blau (für meinen Bruder). Das erste Highlight der Reise war das Spielzeugmodell einer Boeing 747, das die Stewardess verteilte. Für die Eltern unvergesslich waren die Besuche beim Kinderarzt mit dem masernkranken Kind. In der Praxis sprach man fast ausschließlich Spanisch. Da half also auch kein Schulenglisch und -französisch.

Reisen mit Baby – koste es, was es wolle (vor allem die eigenen Nerven)? Zum Glück gibt es heutzutage tolle Angebote für einen entspannten Urlaub von jungen Familien: Reisen mit Baby? Ja, gerne – und schöne Ferien!

Retro-Tour
Mit dem Trabbi durch Berlin oder in der Ente Paris entdecken: Spezialvermieter bieten historische Stadtrundfahrten mit Oldtimern an – ein toller Familienspaß!
Fotoservice
Alte Dias lassen sich günstig und schnell digitalisieren, z. B. in der Fotowelt einer ROSSMANN-Filiale: einfach eintüten und kurz darauf die Daten-CD erhalten.

Sommer, Sonne, Urlaubsglück

Welches Reiseziel ist für Familien ideal? Fühlen wir uns dort alle wohl? Woran müssen wir denken, was alles einpacken? Damit die Reiseplanung nicht in Stress ausartet, finden Sie im großen Urlaubs-Special die wichtigsten Infos rund ums Reisen mit Kindern zusammengetragen. Allen voran neun Erfahrungsberichte von anderen Eltern – von Camping bis Kreuzfahrt.

Foto: privat
Illustration: Miriam Frömming

Ingo Hildebrand profitiert als babywelt-Redakteur von seinen Elternzeit-Erfahrungen: Ein Jahr lang blieb er für seine Söhne Henning und Peter zu Hause. Zurück im Job interessiert ihn naturgemäß die Rolle der Väter in dem liebenswerten Chaos-Kosmos, der sich Familie nennt.