Im Interview

Zwei Mamas und ihr Babyglück

gemeinsam glücklich / 14. August 2017

Mutter, Vater, zwei Kinder – längst ist das nicht mehr das einzige Modell, in dem Kinder heute groß werden. Bloggerin Daniela Maniva Melo erzählt von ihrem Weg zum gemeinsamen Kind mit ihrer Frau, von Höhen, Tiefen und den großen Glücksgefühlen in ihrer kleinen Regenbogenfamilie.

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Du lebst seit 14 Jahren mit Deiner Partnerin zusammen. In welcher Lebensphase entstand der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind? 

Daniela Maniva Melo: Das war nach unserer Hochzeit vor acht Jahren. Wir sind viel gereist und standen mit beiden Beinen fest im Leben. Als Paar waren wir bereit für den nächsten Schritt: gemeinsam ein Baby zu bekommen. Von den vielen homosexuellen Pärchen in unserem Freundeskreis waren wir die ersten, die konkret über Kinder nachgedacht haben. Alle haben sich gefreut und sehr positiv reagiert. Sie waren genauso aufgeregt wie wir. 

Wie habt Ihr Euren Kinderwunsch erfüllt?

Daniela Maniva Melo: Als der Kinderwunsch immer deutlicher wurde, mussten wir uns mit der Frage beschäftigen, wer uns dabei unterstützen könnte. Unsere Wunschvorstellung war es, einen Spender im Freundeskreis zu finden, dem wir zweifellos vertrauen, zu dem wir Kontakt haben und der eine wichtige Rolle im Leben unseres Kindes spielen wird. Einer, der präsent und greifbar ist, uns gleichzeitig aber komplett die Elternrolle überlässt. Lange mussten wir nicht überlegen und warten, bis unser Traum in Erfüllung ging. Ein gemeinsamer Freund, der wie ich in Brasilien aufgewachsen ist und den meine Frau seit über 20 Jahren kennt, konnte sich gut vorstellen, ein Kind mit uns zu zeugen.

Wie habt Ihr entschieden, wer die leibliche Mutter wird, wer also schwanger wird?

Daniela Maniva Melo: Klar könnte theoretisch jede von uns schwanger werden – für uns stellte sich die Frage aber nicht. Ich konnte mir eine Schwangerschaft sehr gut vorstellen, meine Frau sich eher weniger. Hinzu kam unser Altersunterschied – wir sind davon ausgegangen, dass es bei mir schneller klappen würde als bei ihr. Und letztendlich hat auch unsere finanzielle Aufstellung eine Rolle gespielt. Auch im Nachhinein haben wir es nie bereut, uns so entschieden zu haben. Ich hätte meine Frau während der Schwangerschaft und vor allem während der Geburt nicht besser unterstützen können als sie es bei mir gemacht hat.

Wie ging es weiter, als dies geklärt war? 

Daniela Maniva Melo: Es gab Höhen und Tiefen. Zwei Jahre lang habe ich versucht, schwanger zu werden. Doch der Kinderwunsch blieb leider unerfüllt. Deshalb haben meine Frau und ich erst einmal losgelassen, um neue Kräfte zu sammeln und uns anderen Dingen zu widmen. Einen Umzug und einen Hund später fühlten wir uns wieder bereit, es noch einmal zu versuchen, diesmal mit medizinischer Unterstützung. Aller guten Dinge sind drei: Drei Kinderwunschbehandlungen später konnten wir uns endlich darüber freuen, einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen zu halten.

Wie waren die ersten Wochen nach der Geburt?

Daniela Maniva Melo: Einfach unglaublich! Niemals hätten wir es für möglich gehalten, so viel Liebe und Freude in unserer kleinen Familie zu spüren. Um das Glück komplett und offiziell zu machen, wollte meine Frau unseren Sohn adoptieren. Insgesamt hat es etwa 14 nervenaufreibende Monate gedauert, bis meine Frau ihr Wunschkind adoptieren durfte. Obwohl diese Zeit von viel Bürokratie, Unsicherheiten und Zweifeln begleitet wurde, sind wir stets optimistisch geblieben, dass wir endlich eine richtige Familie werden – auch offiziell.

Immer wieder liest man, dass Kinder eine weibliche und eine männliche Bezugspersonen für ihre Entwicklung brauchen. Wie steht Ihr dazu?

Daniela Maniva Melo: Wir sehen das anders. Ein Kind braucht vor allem Bezugspersonen, die es liebt. Punkt. Wir versuchen dem Kleinen all das mitzugeben, was er für ein glückliches Leben braucht. Eines, das sich vollkommen anfühlt. Diese „Lücke“ wird witzigerweise nur von Außenstehenden vermutet. Wie sieht sie aber konkret aus? Wird er als junger Erwachsener nicht wissen, wie er sich den Bart rasiert oder wie er sich „männlich“ verhält? Oder ist es doch die Befürchtung, dass das Kind todunglücklich über die Tatsache ist, „keinen Vater“ zu haben? Wo doch zwei Elternteile vorhanden sind, die dem Kind all die Liebe entgegenbringen, die es für ein glückliches Leben braucht.

Auf Deinem Blog gibst Du anderen gleichgeschlechtlichen Paaren Tipps. Welcher liegt Dir besonders am Herzen? 

Daniela Maniva Melo: Der Blog hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt – vor allem seit ich offen über unser Leben schreibe. Ich sehe ihn als Plattform, die den Austausch mit anderen Familien, die in ähnlichen Konstellationen wie wir leben oder sich einfach nur für das Thema interessieren, fördert. Uns hat die Frage, mit wem wir unseren Kinderwunsch erfüllen, besonders beschäftigt. Denn die Auswirkungen dieser Entscheidung spielen ein Leben lang eine Rolle im Leben des Kindes. Wir können jedem gleichgeschlechtlichen Paar nur raten, sich dafür reichlich Zeit zu lassen, darüber nachzudenken und jede Möglichkeit im Kopf reifen zu lassen. Abzuwägen, welche Konsequenzen jede Variante mit sich bringt und ob man sie für sich und für das Kind verantworten kann und möchte.

Habt Ihr schon entschieden, wie und wann Ihr Eurem Sohn erklärt, dass er zwei Mamas hat?

Daniela Maniva Melo: Er nennt meine Frau „Mama“ und mich „Mãinha“, das Kosewort für Mama in Brasilien. Wir haben ihm von Anfang an gesagt, wer sein Vater ist. Wir sind zuversichtlich, dass er und auch andere Menschen aus seinem Umfeld, positiv auf unsere Familienkonstellation reagieren werden. Bisher haben wir zu keiner Zeit das Gefühl gehabt, „anders“ zu sein. Wir hoffen, dass alles beim nächsten Kind noch einfacher und selbstverständlicher wird. Denn ja, wir wollen unsere Familie vergrößern und können es kaum erwarten, bis es endlich noch einmal klappt.

Foto: Daniela Maniva Melo/siebenkilopaket.de, privat

Stiefkindadoption

  • Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen  Spender (leiblicher Vater) und Kind wird auf den Lebenspartner/-in übertragen.
  • Dieser Weg steht gleichgeschlechtlichen Paaren  offen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben.
  • Der Antrag auf Adoption muss über einen Notar beim Vormundschaftsgericht eingereicht werden.  
  • Wichtige Unterlagen (variiert je nach Bundesland und Behörde): Geburtsurkunde, Familienstammbuch, Heiratsurkunde, Gehaltsbescheinigung, Führungszeugnis, 
  • Gesundheitszeugnis und Lebensbericht. 
  • Dauer bis Gerichtsbeschluss: zwischen sechs und zwölf Monate. 
  • Die „Ehe für alle“ hat an den Abstammungsregeln nichts geändert. Die Lebenspartnerin der Mutter kann deshalb weiterhin nur durch die Stiefkindadoption der zweite rechtliche Elternteil des Kindes werden.
  • Über die Adoption in ihrer Familie hat Daniela Maniva Melo einen Blogbeitrag geschrieben: http://bit.ly/stiefkindadoption