Von Familienreisen, die zum Träumen einladen

Die Globetrotter

Nele Bruns / gemeinsam glücklich / 11. Juni 2018

Die ersten Schritte am Strand statt im Kinderzimmer, Dim Sum aus der Garküche statt Brei aus dem Glas, ein Bad im Gletschersee statt in der Wanne – für Jonathan und Victor ist das Alltag. Eine Familie berichtet über ihre Art zu reisen.

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Diese Sätze kennen alle Eltern: „Kinder werden so schnell groß!“ „Genießt die Zeit, solange sie noch klein sind.“ „Reist wann und wohin ihr wollt, ohne auf die Schulferien Rücksicht zu nehmen!“ Auch Tanja (32) und Christian (33) Roos haben sie oft gehört. Und was draus gemacht: nämlich eine sechsmonatige Weltreise mit ihren beiden Kindern Jonathan (4) und Victor (2). Im Winter 2017 passte alles perfekt. In ihrem Leben in Berlin hatte sich viel verändert, sie brauchten Abstand. Christian hat seine Karriere als promovierter Ingenieur aufgegeben und Tanjas ursprüngliche Gründungspartnerin war aus dem gemeinsamen Unternehmen ausgestiegen. Statt aber einfach weiterzumachen und weiterzuarbeiten, wollten sich Tanja und Christian Roos neu inspirieren lassen, andere Lebenskonzepte erleben und sich als Paar und Familie neu ausrichten. Und das geht auf einer Reise besonders gut.

Raus aus der Komfortzone

Sie vermieteten ihre Wohnung unter, verkauften ihr Auto, legten ihre Krankenversicherung in Deutschland still, kündigten den Vertrag mit der Kita. Sie buchten ein paar Flüge und Unterkünfte im Vorfeld, wollten aber auch spontan bleiben. „Wir lieben es, Neues zu erkunden und wussten besonders in Australien und Neuseeland manchmal morgens noch nicht, wo wir abends schlafen. Wir sind einfach dort geblieben, wo es uns gefiel. Auch wenn wir manchmal erst im Dunkeln unser Ziel gefunden haben“, erzählt Tanja Roos. „Es braucht schon Mut und Vertrauen, so eine Reise zu machen. Aber man wächst daran so sehr – ob im Großen auf einer Weltreise oder auch nur im Kleinen auf einem Ausflug am Wochenende“, sagt ihr Mann Christian. Und Jonathan und Victor? Die entpuppten sich schnell als echte Reisekinder. „Unsere Jungs haben auf der Reise so viel gelernt, sind so mutig geworden, neugierig, naturverbunden und voller Tatendrang“, erzählen ihre Eltern. Ob frisch gegrillter Fisch oder Bananen-Pancakes, Mango auf Bali oder Ananas auf Hawaii, Sushi oder selbst gesammelte Muscheln in Neuseeland, Gyoza-Teigtaschen, Ramen-Nudeln oder einfach nur Spaghetti mit Butter – die Jungs lieben gutes Essen. Und ihr Müsli. Das gibt es auch auf Reisen jeden Morgen – so viel Routine muss sein.

… rein ins große Abenteuer!

„Wenn wir ohne Kinder gereist wären, hätten wir vermutlich weniger Zeit auf Spielplätzen und mehr Zeit in Museen, auf Wanderungen oder in Restaurants verbracht“, sagt Tanja Roos, „aber wir hätten auch so viel weniger Menschen kennengelernt. Kinder werden meistens überall mit offenen Armen willkommen geheißen.“ Auf einer so langen Reise lernt man nicht nur neue Orte und Menschen kennen. Auch bei denjenigen, mit denen man rund um die Uhr zusammen ist, entdeckt man neue Seiten. „Victor hat zum Beispiel ein Faible für den Hinduismus. Er ist total fasziniert von den Tempeln, Düften und Gewändern“, erzählt seine Mutter. Die beiden Jungs schlafen überall und lieben das Fliegen – beste Voraussetzungen. „Es ist erstaunlich zu beobachten, wie schnell sich Kinder anpassen. Wenn wir uns wohlfühlen, dann tun es auch die Kinder“, sagt Tanja Roos. 

In New York, der letzten Station auf ihrer Route, ziehen sie Bilanz. „Die Reise hat alle unsere Erwartungen übertroffen! Es ist ein großartiges und wunderschönes Abenteuer und ein Privileg, so etwas zu erleben. Es macht uns so viel Spaß, fremde Orte zu erkunden, neue Dinge zu probieren und es gibt so vieles, was wir zum ersten Mal gemacht haben“, schwärmen die beiden: „Wir sind von einer zwölf Meter hohen Brücke ins eiskalte Wasser gesprungen, waren im Gletschersee schwimmen, haben selbst Fische geangelt und Muscheln gesammelt, haben in der Wildnis gezeltet, sind zu viert auf einem Roller gefahren, waren zum ersten Mal mit dem Campervan unterwegs.“ Unvergessen bleiben auch diese tollen Reisemomente: Zelten unter einem gigantischen Sternenhimmel in Australien, spirituelle Naturerlebnisse bei den Maori in Neuseeland, Nächte mit Kerzenschein und prasselndem Regen im Zelt, die Gastfreundschaft der Menschen, fremde Tiere in der freien Natur zu entdecken.

Die Reise geht weiter …

Familie Roos ist inzwischen zurück in Deutschland – pünktlich zum Sommer. Die Kinder kommen in eine neue Kita und ihre Eltern starten mit ihren beruflichen Projekten durch: „Wir lieben das Fotografieren und Entdecken, haben unsere Eindrücke auf Instagram mit der Welt geteilt (@the.rooses) und werden bald viele tolle Reiseführer auf nectarandpulse.com veröffentlichen.“

Reisen werden die vier natürlich auch. Zentral- und Südamerika oder Afrika stehen auf der Liste – vielleicht mit einem dritten Kind im Gepäck.

Die Nordlichter

Roadtrip durch Schweden und Norwegen: Welche Abenteuer ein Paar in der Elternzeit mit seinen Zwillingen erlebte, lesen Sie in unserer Reportage.

Die Welt wartet …

… auf reisende Familien. Warum das so ist, erzählt Tourismusexpertin Viola Ehrig im Interview.

Foto: Familie Roos; Jule Fink; Halfpoint/iStock/gettyimages; Stephanie Schulz
Illustration: Miriam Frömming

 

Nele Bruns ist Chefredakteurin des babywelt-Elternmagazins. Ihre Töchter Leni (6) und Emma (3) liefern ihr täglich die besten Inspirationen für neue Geschichten aus dem Familienleben. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei ein ständiger Begleiter.