Eine Mutter erzählt

Attachment Parenting im Alltag

Nele Bruns / gemeinsam glücklich / 02. März 2017

Josephine und Alex Wright leben mit ihrer Tochter Matilda Lottie einen bindungsorientierten Alltag. Es fühlt sich einfach richtig an, sagen die beiden. Wie sie zu Attachment Parenting gekommen sind, wie sie ihr Familienleben gestalten und was ihnen besonders wichtig ist, erzählt Josephine hier.

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Mir gefällt besonders der Grundgedanke des Attachment Parenting. Ich möchte nicht, dass zwischen mir und meinem Kind ein Machtverhältnis herrscht. Ich möchte meine Tochter zu einer selbstbewussten jungen Frau heranziehen, die auf ihre Umwelt achtet. Ich möchte nicht, dass mein Kind weinen muss, wenn es nicht schlafen kann und ich möchte für sie da sein, wann immer sie micht braucht. Egal ob 4 Uhr morgens, oder 10 Uhr abends. Unser Kind bindungsorientiert aufwachsen zu lassen, fühlt sich einfach richtig an. Für uns kommt kein anderer Erziehungsweg infrage.

Mit Instinkt und Intuition

Vor Matildas Geburt sah das noch anders aus. Für die erste Zeit sollte sie ins Beistellbett, dann aber schnell in ihr eigenes Bett. Dann hielt ich sie das erste Mal in den Armen und mir wurde klar: Dieses kleine Wesen wird unser Leben gehörig auf den Kopf stellen. Der Kinderwagen verschwand im Keller, sobald Matilda ihn auch nur sah, weinte sie bitterlich. Stattdessen bestellte ich per Blitzversand unser erstes Tragetuch. Und auch an ihrem ersten Geburtstag gab es noch keine Nacht, in der Matilda nicht in der Mitte zwischen uns geschlafen hätte. Auf die Bedürfnisse meines Kindes achten, ihm Nähe geben: Am Anfang bin ich einfach meiner Intuition gefolgt. Erst nach einigen Monaten habe ich das erste Mal von Attachment Parenting gehört und dachte gleich: „Hey, das ist ja alles genau so, wie wir es machen.“ Ich studiere Erziehungswissenschaften, daher weiß ich, wie wichtig die ersten drei Jahre im Leben für die spätere Entwicklung sind.

 

Reaktionen aus der Umwelt

Ich glaube nicht, dass AP anstrengender ist als andere Erziehungsstile. Die Reaktionen aus der Umwelt sind das Einzige, was nervt. Egal, wie oft ich meiner Oma erkläre, dass man Kinder mit Liebe und Zuneigung nicht verwöhnen kann, ich muss mir trotzdem bei jedem Familienfest die gleichen Dinge anhören: Schläft sie endlich durch und in ihrem Bett? Kommt den überhaupt noch Milch und wird sie davon satt? Und warum lässt du sie nicht einfach im Kinderwagen schreien, sie wird sich schon daran gewöhnen?

Die Momente, in denen sich Matilda in der Trage an mich kuschelt und mir dann ein Küsschen gibt, lassen jede schlaflose Nacht und alle Rückenschmerzen vergessen. Vieles regelt sich auch mit der Zeit. Sie hat sich mit 16 Monaten selbst abgestillt. Ohne Tränen, ohne nächtelanges Schreien. In letzter Zeit zeigt sie auch Interesse am Kinderbett ihres Cousins. Also haben wir ihres vom Dachboden geholt und nun schläft sie abends in ihrem Bett und kommt nur noch selten zu uns. Auch der Kinderwagen wird mittlerweile öfter benutzt. Weil sie es möchte, nicht weil wir sie dazu zwingen. Also: Vertraut euren Kindern, sie haben ihr eigenes Tempo und wissen, wann sie für welche Entwicklungsschritte bereit sind!“

Das sind wir:

  • Josephine Wright (26 Jahre), Studentin Erziehungswissenschaften 
  • Alex Wright (38 Jahre), IT-Manager
  • Matilda Lottie (17 Monate)
  • wohnhaft nördlich von Berlin
  • Mehr Bilder und Geschichten aus ihrem Leben zeigt Josephine Wright auf Instagram als tilda.in.the.woods

Fotos: privat
 

Nele Bruns ist Chefredakteurin des babywelt-Elternmagazins. Ihre Töchter Leni (5) und Emma (17 Monate) liefern ihr täglich die besten Inspirationen für neue Geschichten aus dem Familienleben. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei ein ständiger Begleiter.